Mit dem Leitthema: „Zwischen Schutz und Strafverfolgung – Antworten der Polizei der Zukunft“ fand dieses Jahr der Europäische Polizeikongress wieder im Berliner CityCube statt. Die Schwerpunkte lagen damit bei den Themen Cyberkriminalität, hybride Bedrohungen, Künstliche Intelligenz, Schutz kritischer Infrastrukturen, Sicherheit im öffentlichen Raum und digitale Transformation. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir dieses Jahr mit drei Mitgliedern von PolizeiGrün vor Ort waren.

Neben den hochkarätigen Fachvorträgen fand ich auch die Info-Stände der Aussteller sehr interessant. Neben der Vorstellung verschiedener Polizei-Einheiten (z.B. grenzübergreifende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen in Frankfurt/Oder) oder Fachliteratur-Verlagen konnte man auch einige Software- und Hardware-Hersteller besuchen. Hier konnte man sehen, was technisch aktuell alles möglich ist. Und zu oft erwischte ich mich an den beiden Tagen beim Gedanken „Wenn das hier schon jahrelang weiter entwickelt wurde, warum wirkt meine Büro-Computer noch von vorgestern?“. Schaut doch der Büro-Alltag oft so aus, dass die neue digitale Akte umständlich zu bedienen ist und oft auch extrem langsam funktioniert. Wenn dazu noch Outlook seine Ladeprobleme hat und die neuen Drucker/Scanner erst 5 Minuten zum Aufwärmen brauchen, dann fühlt es sich nicht nach Arbeiten in einem modernen Umfeld an. Neue Dienstprogramme sollten doch Arbeitsabläufe erleichtern und damit den Kolleg*innen auch Zeit ersparen. Aber sind wir ehrlich: von welcher neuen Anwendung hatten wir zuletzt wirklich den Eindruck?

Besonders interessant fand ich den Info-Stand des P20-Projektes. Dort konnte man schon die App besichtigen, mit der man zukünftig bundesweit Abfragen in Polizei-Datenbanken durchführen kann. Neben der eleganten Apple-nahen Visualisierung der Suchmöglichkeiten und deren Treffer fiel auch die schnelle Abfragezeit positiv auf. Diese App ist schon in einigen Bundesländern im Einsatz, in anderen Verbänden wird es in den nächsten Monaten ausgerollt. Mein Bundesland Bayern wird leider erst ziemlich spät im Jahre 2027 dazu kommen.

Außerdem fand ich es interessant, dass es inzwischen Apps gibt die auf den Diensthandys Fingerabdrücke mittels der Kamera – und somit kontaktlos – auslesen können (diese Apps sind wohl schon in zwei Bundesländern verfügbar) sowie die Möglichkeit der „smarten Einsatzdokumentation“ (INSITU). Dabei handelt es sich um „eine digitale Lösung aus einer mobilen App und einer Webanwendung, die eine vollständige Spur- und Sacherfassung an einem Einsatzort – etwa bei Durchsuchungen oder Tatorten ermöglicht“. 

Mein persönliches Fazit: hier wurde die neue Realität für die Innere Sicherheit gezeigt. In den nächsten Jahre können die Polizeibehörden den Kollegen und Kolleginnen moderne Möglichkeiten zur Einsatzbewältigung und für die Ermittlungen zur Verfügung stellen. Die Entwicklung neuer Möglichkeiten wird dabei immer schneller werden. Diese werden allerdings auch von der Gegenseite genutzt neue Angriffsmöglichkeiten zu entwickeln. Künstliche Intelligenz wird uns in den nächsten Jahren positiv und negativ immer mehr befassen. Es werden also die Weichen gestellt, ob Kriminalitätsbekämpfung auf Augenhöhe möglich sein wird.

Text: Dominik Dommer

Beim Polizeikongress gab es auch einen Roboterhund der italienischen Polizei im Praxistest.

Der Info-Stand des P20-Projektes