Für eine moderne Polizei braucht es Akzeptanz, Kritikfähigkeit und Dialog. Das wurde auch bei den Diskussionen auf dem Europäischen Polizeikongress 2026 deutlich – insbesondere mit Blick auf die Konflikte rund um Fußballspiele und den Umgang mit Gewalt in Fanszenen.

Dass sich die Polizei intensiv mit der gesellschaftlichen Akzeptanz polizeilicher Maßnahmen beschäftigt, ist richtig und notwendig. Gerade im Bereich der Fußballlage zeigt sich seit Jahren, dass bestehende Einsatzkonzepte nicht durchgehend den gewünschten Erfolg erzielen. Deshalb müssen polizeiliche Strategien, Kommunikationsformen und Einsatzmaßnahmen kritisch hinterfragt und weiterentwickelt werden. Eine moderne, Bürger*innenpolizei zeichnet sich dadurch aus, dass sie bereit ist, eigenes Handeln zu reflektieren und aus Erfahrungen zu lernen.

Gleichzeitig greift es zu kurz, die Verantwortung allein bei der Polizei zu suchen. Auch innerhalb von Teilen der Fanszenen kommt es immer wieder zu Verhaltensweisen, die Konflikte verschärfen und Eskalationen begünstigen können. Gewalt gegen Einsatzkräfte sowie bewusste Provokationen sind dabei nicht zu akzeptieren. Ebenso braucht es die Bereitschaft aller Beteiligten, im Gespräch zu bleiben und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Fanverbände und Vereine tragen hierbei ebenfalls Verantwortung und sollten ihren Beitrag leisten, um Gewalt vorzubeugen und deeskalierende Strukturen weiter zu stärken.

Kritisch sehen wir, dass auf dem Europäischen Polizeikongress nahezu ausschließlich Polizeibeamt*innen zu Wort kamen. Dieses Defizit liegt nicht allein bei der Polizei, zeigt aber ein grundsätzliches Problem: Wenn über Akzeptanz polizeilichen Handelns diskutiert wird, müssen auch diejenigen beteiligt werden, die von diesem Handeln betroffen sind oder gesellschaftliche Perspektiven einbringen können. Wir brauchen mehr Formate, in denen Polizei, Wissenschaft, Vereine, Fanvertretungen, Zivilgesellschaft und Betroffene offen miteinander diskutieren können. Gute Ansätze – etwa durch die Daniel-Nivel-Stiftung – existieren bereits. Dennoch müssen wir insgesamt besser darin werden, gegenseitiges Verständnis aufzubauen und Konflikte frühzeitig im Dialog zu bearbeiten.

Die Frage nach der Akzeptanz polizeilicher Maßnahmen stellt sich nicht nur im Fußballkontext. Polizei ist in vielen Bereichen darauf angewiesen, dass ihr Handeln von der Bevölkerung nachvollzogen und getragen wird. Rechtsstaatliche Eingriffe brauchen Vertrauen, Transparenz und gesellschaftliche Legitimation. Dafür ist es notwendig, Debatten offen zu führen, Kritik ernst zu nehmen und externe Expertise einzubinden.

Als PolizeiGrün stehen wir für eine tolerante, kritikfähige und rechtsstaatliche Bürger*innenpolizei. Wir wollen transparente Debatten fördern und Expertinnen aus Polizei, Wissenschaft und Zivilgesellschaft stärker zusammenbringen. Denn Akzeptanz entsteht nicht durch Abschottung, sondern durch Austausch, Reflexion und die gemeinsame Suche nach besseren Lösungen.

Text: Christian Martz